Absolutes WischiwaschiWarum sich der Wortschatz irgendwie absolut verändert

14.04.2026, 12:24 Uhr
Bildschirmfoto 2026-04-14 um 12.19.55
Manche Formulierungen bleiben vage, um im Gespräch nicht anzuecken. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Gendergerechtes Vokabular, Jugendslang und Social Media: Die Einflüsse auf unsere Sprache sind vielfältig. Wie präzise müssen wir formulieren, um nicht beliebig zu werden?

Der FC Bayern wollte im vergangenen Transfersommer Stürmer Nick Woltemade verpflichten. Obwohl es in vielen Berichten hieß, der Verein wolle den Spieler "unbedingt", scheiterte der Wechsel bald an der Bereitschaft, die aufgerufene Ablösesumme zu bedienen. Unbedingt, also ohne Bedingung, war das Interesse offensichtlich nicht. Ob freiwillig oder nicht, einer Sportseite gelang nach dem geplatzten Wechsel ein schönes Bonmot: "Der FC Bayern wollte ihn im Sommer unbedingt, war jedoch nicht bereit, jeden Preis zu zahlen."

Als "Ultra-Deutsch" bezeichnet der Kunsthistoriker Wolfgang Kemp derlei unbedachte Verwendungen von Begriffen in seinem Essay "Irgendwie so total spannend - Unser schöner neuer Sprachgebrauch". Er meint damit Wörter, die nicht zur konkreten Aussage passen, und trotzdem Endgültigkeit ausdrücken. "'Total' gehört ebenso dazu wie 'absolut'", sagt der emeritierte Professor im ntv.de-Gespräch, "es sind reine Floskeln". Besonders in Gesprächen seien diese Begriffe Hinweis "auf ein unbewusstes Wahrnehmen, dass man die ganze Zeit nur Wischiwaschi geredet hat und sich dann doch gerne endgültig total dazu äußert". Die ursprünglichen Konnotationen der Begriffe spielten dabei keine Rolle und gingen schließlich verloren.