Nordrhein-WestfalenLehren aus den großen Waldbränden in NRW

10.09.2026, 12:07 Uhr
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Nach dem größten bekannten Waldbrand in NRW zieht Innenminister Reul Bilanz: Was hat sich im Einsatz bewährt, was soll künftig besser werden und was ist über die Ursachen bekannt?

Düsseldorf (dpa/lnw) - Einen Monat nach dem verheerenden Feuer im Hürtgenwald in der Nordeifel ist die Brandursache weiterhin unbekannt. Lediglich die Weltkriegsmunition im Brandgebiet könne inzwischen als Auslöser ausgeschlossen werden, Brandstiftung hingegen nicht, heißt es in einem Bericht von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) an den Landtag. Ein Ermittlungsverfahren wegen vorsätzlicher Brandstiftung sei eingeleitet worden, teilte er unter Bezug auf Informationen der Staatsanwaltschaft Aachen mit.

Der Brand im Hürtgenwald habe sich in den Folgetagen nach dem 13. August "zum größten Waldbrand in Nordrhein-Westfalen seit Beginn der Aufzeichnungen" entwickelt, bilanzierte der Minister. Derzeit sei von zwei unterschiedlichen Brandausgangspunkten auszugehen. Das Sachverständigengutachten stehe aber noch aus - ebenso wie das Ergebnis einer Funkzellenauswertung.

Die Feuerwehren in NRW hatten in den heißen, trockenen Tagen Mitte August mit zahlreichen Wald- und Vegetationsbränden zu kämpfen. Mit Ausnahme der Großlagen im Hürtgenwald, im sauerländischen Marsberg und in der Eifel-Gemeinde Monschau am Naturschutzgebiet Hohes Venn habe das Feuer überall mit örtlichen Einsatzkräften gelöscht werden können.

Zum Waldbrand im Hohen Venn ist in NRW kein Ermittlungsverfahren anhängig. Hier ist die Staatsanwaltschaft in Belgien wegen des Verdachts fahrlässiger Brandstiftung tätig geworden.

Mit "Fire Fighter" und Güllefässern gegen die Katastrophe

Bei den ausgedehnten tagelangen Bränden im Hürtgenwald sei eine Bewältigung der Lage in Eigenregie nicht möglich gewesen. Hier hätten sich Einsatzpläne für überörtliche Hilfe sehr bewährt: Dank der organisationsübergreifenden Zusammenarbeit von Polizei, Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Technischem Hilfswerk, Bundeswehr, des Innenministeriums und der Landesforstverwaltung NRW, der Forst- und Landwirtschaft sowie zahlreichen freiwilligen Helfern hätten die Brände letztlich erfolgreich bekämpft werden können, stellte Reul fest.

Dabei seien eine Vielzahl an Einsatzfahrzeugen, Hubschraubern, Drohnen, aber auch land- und forstwirtschaftlichen Maschinen zum Einsatz gekommen. Letzteren komme eine wichtige unterstützende Rolle zu. Das habe sich etwa beim Transport von Löschwasser in landwirtschaftlichen Behältnissen erwiesen, ebenso wie beim Schlagen von Schneisen und dem zusätzlichen Einsatz geländegängiger Spezialfahrzeuge zur Unterstützung von Löscharbeiten abseits von Wegen.

So sei etwa das Löschwasser für das Spezialfahrzeug "Fire Fighter" des Landesbetriebs Wald und Holz unter anderem durch Güllefässer privater Landwirte bereitgestellt worden. "Diese Unterstützung hat sich als praktikable Ergänzung erwiesen", lobte Reul.

Was sich in den Großlagen bewährt hat

Der Innenminister nannte mehrere Beispiele, was aus seiner Sicht an den Vorsorge-, Einsatz- und Krisenplänen bereits gut funktioniert hat:

  • Dazu zähle etwa die Anschaffung des zweiten "Fire Fighters" als geländegängiges Löschfahrzeug. "Beide Geräte waren in diesem Sommer bei mehreren Waldbränden im Einsatz und wurden auch zur Unterstützung der Waldbrandbekämpfung im Hohen Venn in Belgien angefordert."

  • Das Waldbrand-Früherkennungssystem "Fire Watch" habe sich ebenfalls als sinnvoller Baustein erwiesen. "So konnte unter anderem ein rund 115.000 Quadratmeter (11,5 Hektar) großer Waldbrand bei Sonsbeck frühzeitig erkannt werden." 

  • Als Pluspunkt hob er zudem das Katastrophenschutzlager des Landes hervor. Dort werden Spezialgeräte und Schutzkleidung für die Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung eingelagert, welche von den Gemeinden im Bedarfsfall abgerufen werden können.

  • Reul lobte darüber hinaus die Unterstützung der Bundeswehr und weiterer Einsatzkräfte des Bundes und anderer Länder. 

Was jetzt zu tun ist

Nun müsse mit regionalen Waldbrandmanagementplänen der Vorsorge- und Handlungsbedarf noch besser identifiziert werden, etwa durch die systematische Erfassung der Wege-Infrastruktur und Löschwasser-Versorgung. "Ein Weg könnte sein, kleinere Spezialeinheiten zur Unterstützung der örtlichen Feuerwehren zügig in den Einsatz zu bringen", schlug Reul vor.

Neben der Erweiterung der technischen Ausstattung, unter anderem mit Waldbrand-Tanklöschfahrzeugen, sei daher die Spezialisierung von Einsatzkräften für die Brandbekämpfung vom Boden und aus der Luft nötig. "Die Brandbekämpfung aus der Luft gewinnt zunehmend an Bedeutung", unterstrich der Minister.

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